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april 2015, kyiv, boris´atelier

M: Erzähl uns bitte deine Eindrücke auf dem Maidan.

 

B: Eindrücke auf dem Maidan gibt es viele. Erlebnisse - ein ganzes Ozean, was wir in dem Jahr erlebt haben. Erzählen kann man so viele Stunde, wie auch die vielen Stunden, die wir erlebt haben. Der Maidan hat damit angefangen, dass die Ukrainer sehr empört über den damaligen Präsidenten der Ukraine waren, der nicht das Abkommen mit der EU unterschrieben hat. Das war eine Lüge, eine Verarsche, die Ukrainer wurden im Stich gelassen. Denn eigentlich hat die ganze Ukraine auf den Beitritt zur EU gewartet. Das wollten sie mit der ganzen Seele, mit dem ganzen Kopf und mit dem Herzen. Die waren bereit dafür.

Der erste Abend also, am 24. November, sind die Ukrainer raus gekommen, um zu sagen, dass sie damit nicht einverstanden sind. Um zu sagen, dass die Ukraine Europa ist, dass sie zur Europa gehören will. Die Nation akzeptierte nicht die Entscheidung des Präsidenten, da sie in die EU will. Wir sind mit den Flaggen der Ukraine und der EU rausgekommen. Und das war der Anfang. Der erste Tag, erster Abend, sind 700 Tausend bis zur Million Menschen auf den maidan gekommen, um ihre Empörung zu zeigen.

 

Dann hat die ganze Geschichte des Maidans begonnen, die ich nicht wiederholen werde, dass die Welt sie eigentlich schon kennt. Das waren anfangs die friedlichen Proteste. Nicht einfach nur friedlich im europäischen Verständnis. Die können in dem Fall mit Elementen der Radikalität oder der Aufgewühltheit der Massen sein. In der Ukraine gab es aber für lange Zeit keine Anzeichen von Radikalität. Aber wenn am 30. November die Studenten zusammen geschlagen werden - brutal und unehrlich - das war nicht einfach nur die staatliche Milizgewalt, um sie zu verscheuchen. Eher, um sie zu erniedrigen und sie so zusammen zu schlagen, dass die Angst schon erniedrigend ist. Körperlich, moralisch, seelische Erniedrigung. Ich war ab dann auf dem Maidan. Alte erwachsene Menschen gab es nicht viele. Die Studenten haben eher geführt und auf die Technik geachtet. Es waren vielleicht um die 200-300 junge Leute, die von einigen Tausend Berkut-Leuten umrundet wurden. Wie diese altrömischen Legionen, die in Quadraten kamen. So haben sie den Maidan mit ihrer schwarzen Wolke umrundet. Bevor sie zu schlagen angefangen haben, warfen sie ein paar Lärmbomben. Nicht, um die Leute zu verschrecken. Die waren beängstigend. Die Erde hat bebebt. Und wir wussten nicht, was das ist. Der Gas, der Rauch...so kam der Berkut. (6:17) Dann hat die Schlacht angefangen, alle wurden zusammen geschlagen: Kinder...also das sind für mich die jungen Leute, Jugend, Mädels, die sich hinter dem Zaun versteckt haben. Ein Mädchen in meiner Nähe hat ihr Bewusstsein verloren, lag vor meinen Füßen. Ich habe sie ohne Bewusstsein geschleppt, um aus diesem Korridor rauszukommen. Und als die schlagen wollten, schrie ich, dass sie stirbt! Eigentlich war sie tot, total bleich, hing da auf ihren Armen. Ich schrie “sie stirbt, schlagt sie nicht”. Sie haben sie nicht geschlagen. Aber als ich dann vorbei wollte, haben sie auf meinen Rücken, auf meinen Kopf eingeschlagen. Sehr beängstigend. Ich hätte es nicht mal bis zum Korridorrand geschafft. Habe schon teilweise das Gefühl in meinen Händen und Füßen verloren. Sie ist aus meinen Armen gefallen, ich habe sie also nur noch mit meiner Anwesenheit gehalten und bat die anderen, sie mir aus den Armen zu nehmen. (8:00) Und die Jungs und Mädels kamen zu mir, nahmen sie und wir liefen alle weg. Die “Sturm”-Gruppe und die Studierenden kannte ich ja. Aber die andere kannte ich nicht, bezweifle aber, dass sie ukrainisch waren. Das war ein anderer Typ Mensch. Die unterschieden sich von den Berkuts, die auf uns einschlugen. Das waren sehr gut gewachsene und große Jungs. Die haben uns auch geschlagen, als wir wegliefen. Die kamen uns hinterher und schlugen weiter. Nach dem 30. Nachts habe ich bei FB geschrieben, dass ich diese Erniedrigung nie vergessen werde. Ich erinnererte mich, wie ich auf den Knien versuchte wegzulaufen und sie ließen uns nicht los. Die einzige Angst war dann, dass wenn sie mich nicht töten, dann brechen sie mir die Wirbelsäule. Ich dachte, dass ich für den Rest des Lebens behindert bleibe. Beängstigend. Anscheinend hat das geretet, dass die Nacht sehr kalt war und wir alle sehr warm angezogen waren, Pullis, dicke Jacken.

Ein Teil der verletzten ist Richtung Michaeliskirche gelaufen und versteckte sich. Und wir sind Richtung Besarbaskij Rynok auf dem Chreschatyk gelaufen. Und bis zur Metrostation haben sie geschlagen. Das war der horror und ich werde es nicht vergessen. Es ist schwierig diesen Menschen zu verzeihen und der Regierung, die diesen Befehl gegeben hat. Es ist nicht nur schwierig die Schläge zu verzeihen, noch mehr wohl die Demütigung. All die jungen Mädchen, fast noch Kinder, Jungs. Die 200 Polizisten hätten den Maidan räumen können. Ein Student pro Polizist. Aber die haben sich entschieden, ihre Kraft und Abwehr zu zeigen.

Ich habe danach noch Interviews gegeben, wo ich dem Präsidenten das Verbrechen vorwarf, sein Volk betrogen und erniedrigt zu haben. Das war eine Brechung der Menschen. Danach hat die Ukraine angefangen zu überlegen, was die jetzt weiter machen sollen. (12:09) In 2005 war ja die Orangene Revolution, damals noch unter dem Präsidenten Leonid Kutschma. Sie haben Kutschma kritisiert. Niemand kann sagen, dass er besonders für Demoktratie gekämpft hat. Aber er hat zumindest sich nicht getraut, seine Hand gegen friedliche Demonstranten zu heben. Er hats nicht gemacht, und Janukowitsch hat sein Befehl gegeben. Nach dem 30. November habe ich das also als Verbrechen gegen das ukrainische Volk genannt. Danach hat sich aber auch alles geändert. Die Ukrainer haben verstanden, dass viel Schmerz auf sie zukommt. Sie haben aber noch geglaubt, dass sie sich an die UNO und internationalen NGOs wenden können und somit die Diskussion anregen, wie der Maidan jetzt weiter gehen soll. Der weitere Lauf der Dinge wurde aber immer härter und brutaler. Die Regierung hat die sogenannten “Titushki” in den Konflikt eingeschleust. Das muss man wohl lange erklären, was das ist. Sie haben all die Leute gesammelt, die Neigung zur Gewalt haben, ehemalige Kriminelle und für Geld haben sie sie vorbereitet auf den Kampf mit den Demonstranten. Sie sollten dann all den Menschen bundesweit in Städten und Dörfern Angst einjagen. (14:32) Ich war damals auf einem Treffen in Charkov, der Forum “Euromaidan”. Da haben sie die Demonstranten und Kommunisten umrundet und mithilfe der Miliz überfielen sie Menschen mit Messern und Waffen. Einfach nur verbrecherisches Druckmittel gegen die friedlichen Menschenmengen. Wir waren schockiert, in Kiev, in Charkov, in Dnjepropetrovsk. Mir war klar, dass ich jetzt nicht still stehen kann, wenn ich sehe, mit welchen Mitteln die Regierung gegen uns arbeitet, und taub-stumm zu versuchen macht, oder unbeweglich und unfrei als Antwort auf unsere Bekennung zur Demoktratie und zur Europäischen Union. Und das alles auf der Basis der ukrainischen Konstitution, der Gesetze und der eingeschlagenen Richtung der Eurointegration. Die Ukrainer verstanden, dass sie entweder ihre Angst bekämpfen müssen - vielleicht sogar mit dem Preis ihrer Gesundheit. Denn sie werden gezwungen Klappe zu halten und sich mit dem russischen Plan abzufinden, dass die Ukraine wieder zur russischen Einflusssphäre oder sogar zur alten Union gehören soll. Wir haben es natürlich verstanden. Wir alte Typen haben die jungen progressiven Studenten geschützt, die für die Ukraine gekämpft hat. Die Geschichte des Krims kennen wir ja. Dann der Donbass mit den zwei Gruppen. Ich kann es erzählen, wie es dort war. Das war ein russisches Schema, ein russisches Szenario. So wie in der Ukraine in 2005 die Orangene Revolution, so gab es in 2008 einen ähnlichen Versuch in Armenien. (18:19) Dort haben sie auch Menschen gewürgt. Gefängnisse waren voll mit Zivilisten, Repressionen. So ähnlich sollte es in der Ukraine sein.

Ich persönlich habe oft daran gezweifelt, ob die Ukraine das schafft. Selbst trotz dieser pathetischen Tage auf dem Maidan, als Tausende rauskamen, als Schüsse fielen, als Hunderttausend Menschen zu Weihnachtlichen Treffen kamen und viele natürlich trotzdem weiter arbeiteten (weil das Leben irgendwie weiter gehen muss). Dann, als 3-5 Tausend Berkuts angefahren kamen und wir total geschwächt und durch die Gase vergiftet, nicht atmen konnten...wir haben nicht gesprochen, sondern die ganze Zeit geräuspert. Mit Bomben haben sie geschossen. Ich zeige später die Jacke, die komplett kaputt ist. Wir waren also die, die nicht gestorben sind oder schwer verletzt waren. (20:25) Zum Beispiel während des Peeks vom 18. - 19. Februar nachts. Ich kam da gerade aus dem Krankenhaus raus. 10 Tage war ich dort, Monate auf dem Maidan die Menschen strapaziert haben. Aber auch dort war es gruselig, da Menschen aus den Krankenhäusern entführt und erniedrigt wurden. Ein Freund hat mich versteckt gehalten. Dann verstand ich am 18. Morgens, dass wir gerade in einer ernsthaften Kriegsphase uns befinden und bin also auf den wackeligen Beinen und nicht ganz gesund auf den Maidan gegangen. Aber erstmal nach Hause zu meiner Frau. Sie hat mir eine neue Jacke gekauft, wasserdicht, sehr dick und warm, weil sie eh schon wusste, dass ich wieder zum Maidan gehe. Ihr habe ich gesagt, dass ich ins Atelier gehe, sie sah doch, dass ich fertig bin und eigentlich noch liegen muss. Bin aber trotzdem auf den Maidan gegangen. Zuerst habe ich mir einen schweren Stock gebastelt. Lange habe ich mit mir gehadert, denn eigentlich wollte ich den nicht nehmen. Nur unsere Gegner waren ja schon längst mit Schlagstöcken bewafnet. Ich dachte, ich würde ohne Waffen auskommen, aber dann mussten wir uns doch ein Schutzschild und ein Stock besorgen. Auf der Institutskaja habe ich gesehen, wie die Jungs in einer Reihe sich geschützt haben [Boris zeigt auf den Knien, wie sie sich aufgebaut habe]. Die standen auf den Knien und haben den Metalschutz gehalten. Ein anderer Junge stand und hielt sein Schutzschild über dem anderen. So haben die entlang der Straße sich bewegt, da von der anderen Seite der Berkut sie überfiel.

 

Die haben uns mit kaltem Wasser überschüttet, was zu Erfrierungen führte. Wir haben dafür die Molotof-Cocktails geschmissen und eine Feuergrenze gezogen, damit die Berkuts nicht zu uns durchkamen. Gruselig. Vom 18. - bis zum 21. Februar nachts, als es zu Ende ging, standen wir noch unter Beschüssen der Snipern. Viele Verletzte gab es. Vom 18. Auf den 19. Haben sie mich zu den Zelten gebracht, um meine Augen von den Gasbomben auszuwaschen. Die haben eine Bombe in meine Nähe geschmissen, die erschütternd war. Trotzdem war ich für die nächsten drei Tage auf den Barikaden. Den Kampf verließen nur die, die schwer verletzt waren. Geschossen haben sie aus viele verschiedenen Waffen. Jagdgeschosse, Lärmbomben, für den Atemweg und die Augen giftig sind. Molotofs, die sich bei Benzin auf dem Boden gleich entzündete...alles hat gebrannt, dann wurde versucht das Feuer zu löschen - also Krieg. Sie sollten aber auf keinen Fall durchkommen. Die Jungs, die also diese Schutzschilder gehalten haben, wurden meistens schwer verletzt. Die konnten ja nicht von den Knien schnell aufstehen. (27:33)
Mein Zelt, in das ich gebracht wurde, stand hinter der Bühne. Mit dem Wasser, was im Container stand, wollte ich mir schnell die Augen durchwaschen. Aber ich wusste ja nicht, dass es nicht mit Wasser geht wegen der Erblindungsgefahr. Dieses Gift darf man nicht mit Wasser auswaschen, also habe ich angefangen vor Schmerz zu schreien. Die brachten mich also in das Zelt. Mit einem speziellen Spray haben sie dann jedem, den sie sahen, die Augen ausgewaschen. Bei mir Krach im Kopf. Durch meine blutigen Augen sah ich so ein Zelt von innen. Ich sah auf dem Boden 20-30 junge Männer mit durchgeschnittener Kleidung. Die Mädchen, wahrscheinlich Studentinnen des Medizinischen Institutes, waren verunsichert, weinten, hatten Angst was falsches zu tun. Sie versuchen irgendwie die Wunden zu heilen. Den einen Jungen werde ich nicht vergessen. Dem haben sie den Stoff der Hose verschnitten und seine männlichen Organe waren ganz zerstört. [zeigt auf seinem Schoß]. Die Mädchen weinten. Er hat geschrien. (29:49) Und niemand weiß, wo anfangen. Von diesen Schwervereltzten gab es etwa um die 1300 Personen. Das ging so bis zum 21. Februar.

Den Berkut griffen wir mit den Stöcken an, um uns abzuwehren. Aber wie es sich herausstelle, haben sie auch viele Opfer gebracht. Die dritten - die Sniper - kamen unbekannt woher. Die haben dann auf uns und den Berkut geschossen, um noch mehr Provokationen herzustellen. Das Charakteristische aus der Zeit, was mich so richtig beeindruckt hat, war die Einsicht, dass Ukraine unbekämpfbar ist. Wenn Europa, Amerika, die zivilisierte Welt die Ukraine unterstützen, dann wird sie diesem Krieg standhalten, gewinnt den und wird zu einem schönen, europäischen Staat. Aber wenn Europa, Amerika, die zivilisierte Welt nicht hinter der Ukraine steht, gewinnt sie trotzdem, aber mit mehr Opfern.

(32:18) Verstehen Sie, so ein Moment ist gekommen. Ich erinner mich, als ich da eine Stunde stand und die cocktails warf, um uns zu schützen. Als ich das Schutzschild aber hielt und meine Hände brannten, kamen andere zu mir und schrien mich an, warum ich hier ohne ein Schutzhelm stehe. Er wollte es mir abnehmen und ich sagte, er solle weggehen, ich mache selbst. Männer, wie Frauen standen dort. Eine Rothaarige, die nicht weggehen wollte.
In der Situation verstand ich also: Mädels hatten Angst um ihre Jungs, wir Erwachsene hatten Angst um die Jugend, die jungen hatten um uns Angst. Jede/r wollte vorn stehen, wo es am gefährlichsten war und die anderen beschützen. Wir haben uns eigentlich nur dann beschimpft, wenn es darum ging, vorn zu stehen und zu beschützen. Jeder machte sich Sorgen um das Leben anderer. Das war schon die nächste Phase. Es war nicht mehr die Phase, wo Menschen noch Angst haben. Das war schon der Moment, wo sie Angst um das Leben anderer hatten. Das war schon so, dass Menschen bereit waren ihr Leben für ein anderes zu opfern. Die Höhe war erreicht. Christliche Liebe. Universelle Liebe. Da verstand ich, dass das Volk gewinnen wird. Ich will also, dass die ganze zivilisierte Welt hinter der Ukraine steht und dem Volk zu gewinnen hilft. Die Ukraine kann es sich nicht leisten, dass ihre Kinder sterben. Damit es keine Opfer gibt, braucht es die Rückendeckung der zivilisierten Welt. Den Feind kennen wir irgendwie noch nicht. Hitlerismus haben wir schon gehört...Hitler, der der ganzen Welt so ein Unglück gebracht hat. Stalinismus kennen wir. Aber Putinismus kennen die Menschen noch nicht. Das ist sehr großes und giftiges Böse. Das wird zwar nicht in der Ukraine gewinnen, aber der hier geführte Krieg ist sehr schlau und hinterhältig. Hier ist der Kampf ums Leben, Liebe und den Schutz dessen. Sie kämpfen für ihr Land. Sie stehen inzwischen für mehr ein, z. B. die Redefreiheit, auch wenn grenzlose Redefreiheit gerade für die meisten Ukrainer gefährlich ist. Sie schätzen sie trotzdem. Pressefreiheit, Journalismusfreiheit...sie kritisieren die Regierung schon die ganze Zeit. Und die Regierung tut ihr Maximum dagegen. Die Armee tut ihr Maximum. Aber die Ukraine hat nicht die Macht, wie Russland sie hat. Russland hat schließlich all ihre Macht auf das ukrainische Territorium geschicht - geschulte Mörder. So, wie ich das sehe, wird die Ukraine für sich einstehen. Hier sind Armenier, Juden, Georgier, die ebenso hinter den Ukrainern stehen. Das ist letztendlich auch unser Land und unser Staat. (38:15)

 

Die Mentalität hier ist europäisch. Die Affinität ist hier eher zu den europäischen Werten. Die Affinität ist eher zu der europäischen Freiheit. Zur persönlichen Freiheit, Lebensfreiheit, Redefreiheit, Wahlfreiheit, Glaubensfreiheit. Die Ukrainer vertreten das sehr stark. Und da sie in die Europa wollen, bringen sie auch ihre neuen Werte mit, die auf dem Maidan entstanden sind. Es kommt noch Zeit, wo das Europa klar wird, was die Kultur ist und großartig sie ist, die hier sozusagen unter Feuer geboren wird. Allerdings braucht die Ukraine Unterstützung. Starke Unterstützung, denn hier findet gerade ein kampt ums Leben.

Die Gefahr zur Zeit ist nicht nur an der Front im Donbass. Die Gefahr, die während des Maidans herrschte - “titushki”, Terroristen, Berkut, FSB - die sind nirgendwo verschwunden. Umgekehrt, die werden in immer mehr ukrainische Städte verschickt. Die Separatisten werden verteilt, um das Land von innen zu zerreißen. Die Gefahr ist groß. So wie auf dem Maidan, müssen sich die Menschen jetzt auch konzentrieren. Auf dem Maidan hat nämlich die Intelligenz gewonnen und die Spiritualität. Das war wie Kirche, alle Konfessionen, nicht nur christliche, standen da und haben gebetet. (40:49) Warum hat der Maidan die Gebete gebraucht. Weil der verstanden hat, um nicht brutal und unfair zu werden, muss gebetet werden. Prediger haben jede Stunde für die Ukraine gebetet. Jede Stunde, jede Nacht. “Vater unser” wurde zusammen gebetet. Da fielen plötzlich wieder die Schüsse von den Berkuts. Wir müssten eigentlich dem standhalten. In dem Moment habe ich mich ertappt, als ich zu Gott meinte “Entschuldige, Gott, ich habe keine Zeit zu beten, ich muss kämpfen” und bin dann dorthin gelaufen. Die einen beteten. Die anderen haben in dem Moment verstanden, dass wenn der Berkut durchkommt, dann wird es sehr sehr viele Opfer geben. Jetzt, Ukraine wie dieser Maidan, auf dem die Jungs Schutzschilder halten, hält der Osten ebenso ein schwaches Schild. Die schlecht ausgerüsteten ukrainischen Kämpfer stehen im Osten gegen die technisch mächtigen russischen Kämpfer und Spezialisten. So, wie wir hier den Maidan beschützt haben, so wird dort die ganze Ukraine verteidigt. Aber wir brauchen die kräftige Unterschützung der zivilisierten Welt.

Uns ist besonders wichtig, dass Menschen uns verstehen. Hier gibt es in dem Sinne keine antirussische Einstellung. Hier ist niemand gegen Russland oder die russischen Menschen. Ich habe in St. Petersburg studiert und habe dort viele Freunde, wie alle von uns. Viele von uns sind mit der russischen Kultur, Literatur, der Avantgarde des 20. Jahrhunderts erzogen worden. Die Musik - wir liebten sie, lieben sie und werden sie immer lieben. Und auch Europa schätzt das alles. (43:22) Wer zum Feind der Ukrainer geworden ist, ist das Regime des Kremls, welches Krieg, Blut und Revanche will auf der Weltarena. Das ist das, was beängstigend ist. Das ganze Kreml-Kriegsschema arbeitet gerade auf der Fläche der Ukraine. Auf dem Körper der ukrainischen Nation. Auf dem Körper der ukrainischen Seele. Das wird für alle gefährlich. Also werden wir hier in der Ukraine stehen. Wir haben keine Angst mehr. Wir haben gelernt zu sterben und lebendig zu bleiben.

(44:55) Ich bin Künstler. Schon ein Jahr lang habe ich keine Bilder mehr gemalt. Maidan ist jetzt zu ende, aber ich kann immer noch nicht, weil der Krieg noch nicht zu Ende ist. Deswegen will ich, dass wir Leben und Kunst schaffen. Dass wir, wie alle anderen leben, schön und zivilisiert. Dass der Gewinn der ukrainischen Werte ein gutes Beispiel für die russische Zivilisation ist. Dass wir nach den wahren christlichen Werten leben und nicht nach den pseudochristlichen und pseudodemokratischen. Ich denke, die warten auch ...der Gewinn der Ukraine ist der Gewinn einer guten Denk- und Lebensweise. Jeden Tag kämpfen wir, helfen der Front. Wir Künstler verkaufen Bilder, um den Flüchtlingen zu helfen und Leben zu retten. Na, und so werden wir weiter machen.

 

M: Du sagst, dass die Ukraine europäische Unterstützung will und die europäischen Werte vertritt. Aber ist es zwingend, dass sie in die Europäische Union eintritt?

 

B: Wir...Ukraine bettelt nicht drum, in die EU einzutreten. Die sagen nicht “oh, wir wollen unbedingt”. Die verlassen nicht ihr Land, auf dem sie leben und ziehen in die EU. Aber die zeitgenössischen europäischen Werte sind ein großer Schatz für die Ukrainer. Die Weltansichten, die Philosophie, die eigenen Mentalitäten, die sind näher zu den europäischen, als zu den russischen. Russland hat die Demokratie und Redefreiheit verneint. Da ist halt Regime. Und die Ukrainer wollen kein Regime, sondern ein funktionierendes System, was sie selbst in ihrem Land aktuell bauen wollen. Die brauchen Verständnis, Empathie und Unterstützung. In ihren Weltansichten und der Philosophie haben sie nichts Antirussisches. Aber sie wollen nicht zurück in die sogenannte Zollunion. Dort sehen sie keine Perspektive. (49:20)

 

Meine Heimat ist Armenien. Sie hat die Unterschrift für die Zollunion gegeben. Das ist, wie Feudalisierung in der fernen Vergangenheit. Und was das angeht, ist die ukrainische Jugend sehr gebildet. Sie lesen viel, lernen viel, fahren viel nach Europa. Sie kennen die europäischen Vorteile. [ins Off: Habe ich Vorteile richtig gesagt?] Hier wollen sie eine Regierung bauen, in der Menschenrechte, demokratische Prinzipien, Handelsbeziehungen, Ökonomie, Politik, Kultur - alles - näher an den europäischen Normen liegen. Das gefällt ihnen mehr. Und da fängt Russland an Fakten zu verdrehen und für sich zu nutzen. Als ob russisch sprachige Menschen leiden. In Kiev bin ich schon seit vielen vielen Jahren und spreche immer Russisch. Also wenn ich ein Problem habe, ist, dass ich bis heute kein Ukrainisch spreche. Wenn es ein Sprachenproblem gibt, dann ist es, dass die ukrainische Sprache sich sehr schlecht entwickelt. Ukraine spricht auf Russisch. Selbst die Hälfte der Ukrainer sprechen kein Ukrainisch. Verstehen Sie? Das Problem hatte nicht die russische Sprache, dem hier alle fähig sind, verstehen und sprechen die. Das Problem hatte die ukrainische Sprache. Aber warum auch immer, hat Putin den Krieg angefangen, um die russischsprachige Minderheit zu schützen. Dieses Problem existiert nicht. Die Ukrainer sind sehr tolerante Menschen. Das sage ich, als Armenier. Die sind Menschenfreunde, sehr gut. Meine Vorfahren lebten auf dem Gebiet seit dem 11. Jahrhundert. Die Ukraine damals und heute gab den Armeniern die Gelegenheit, sich hier zu entwickeln. Also sie müssen sich hier nicht assimilieren, aber sie sind integriert, fühlen sich weiterhin als Armenier, zugleich als Patrioten der Ukraine. Und Gott sei Dank! (52:15) So auch die ukrainischen Juden, die Russen, Georgier, Polen. Sehr gutes Land. Ich mag Armenien sehr. Meine Seele lebt in den Bergen, so sagte Ouiliam Saruyan. Ich bin sehnsüchtig danach. Dem Gott war es so gerecht, dass ich hier lebe. Ich kann kein einziges Beispiel finden, dass die ukrainische Mentalität irgendeiner anderen nationalen Mentalität im Weg stand. Hier sind Geduld, Liebe, einverständnis. Das ist ein Land, welches blühen muss und wird. Das Einzige, was wir von Europa brauchen, ist eben Verständnis und Unterstützung. Die Ukraine wird aber viel Gutes, Frisches Europa geben können. (53:57)

 

B: Darf ich rauchen und danach die restlichen Fragen beantworten?

M: Du darfst auch während dessen rauchen.

B: Aber werden sie in Europa sich nicht wundern?

M: Werden sie, aber was solls.

PAUSE

 

Teil II

 

M: Was fühlst/siehst/denkst du, wenn du heute über den Maidan gehst?

 

B: Jetzt? Maidan ist zu Ende, ich komme selten auf den Maidan. Aber wenn ich hierhin komme, dann die Institutska entlang, vom Maidan bis zur Arkadenbank. An den Stellen, wo Freunde gestorben sind, stehen heute Fotos, Blumen. Um ein Geheimnis zu lüften: wenn ich allein auf dem Maidan spaziere, dann weine ich. Ja, ich weine. Ich erinner mich an viele von denen. Viele kannte ich persönlich. Weinen tue ich aus Liebe zu denen. Es schmerzt mir, dass sie heute nicht mehr bei uns sind. Aber das ist, wenn ich alleine bin. Die ganze Zeit denke ich, dass wir kein Recht haben, diese Revolution der Würde zu verlieren. Würde des Menschen. Sinn des Lebens. Nicht, dass wir hier auf dem Maidan den Sinn des Lebens gefunden haben, aber hier wurde er gefestigt, dieser Sinn des Lebens. Das Menschenleben kostet sehr viel. So viel, dass du dafür ein Menschenleben bezahlen kannst. Das sind nicht nur Worte, sondern die ukrainische Realität. Wenn ich auf den Maidan komme mit meinen männlichen stolzen Tränen, denke ich, dass wir auf keinen Fall das Recht haben, diesen eigentlich schon Weltkrieg verlieren dürfen. (3:05) Es muss hier ein ukrainischer Staat entstehen. Ein europäischer Staat der Ukraine. Das muss, ansonsten geht der große Sinn verloren. Ich, als Armenier - bin aus den Bergen von 3000 Meter über dem Meeresspiegel, runter gestiegen. Das Schicksaal hat mir die ukrainische Weite stattdessen gebracht. Aus den Bergen sah ich auf die Ukraine und bemerkte, wie sie aus den Steppenebene nach oben geschaut hat - in den Himmel. Sie wollte anders leben. Ja, das sind große Worte, aber so gesehen stimmen sie. Der Ukraine wollte in Würde leben. (03:59) Deswegen darf er den Krieg nicht verlieren.
Auf dem Maidan hatte ich weniger Angst, als jetzt. Denn jetzt hängt vieles nicht nur von uns ab. Auf dem Maidan hing das von uns und unserem Leben ab. Heute hängt alles von der Intelligenz, von der Seele ab. Die Menschheit auf der Erde müsste die Attribute der Wahrheit und der Würde aufwerten. Das ist sehr wichtig.

 

Viele von meinen Freunden sind Künstler. Sie haben auf dem Maidan gemalt, gezeichnet. Allgemein sind sehr viele Objekte auf dem Maidan aufgetaucht, also rein künstlerische Objekte, die hättest du auf jeder Biennale als starke Kunstobjekte ausstellen können. Ich als Künstler habe während der ganzen Periode den Pinsel weggelegt und nicht mehr gemalt. Aber ich weiß, dass er mich mit solchen heftigen Gefühlen gefüllt hat. (5:52). Mein Freund Walberg hat ein berühmtes Bild mit dem Namen “Wand” gemalt. Über das, was geschehen ist. Die stellen das auf der ganzen Welt aus. Ich mache nichts über den Maidan. Aber eine Ausstellung gab es, die dem Maidan gewidmet war. Die hieß “mit dem Feuer der Liebe”, (6:12) dort habe ich ein von meinen lebensfrohen Bildern hingehangen. Und darunter stand meine Farbpallette, Etui. Aber an der Stelle, wo Farben [holt ein Objekt zum Zeigen] sein sollten, habe ich verschossene Patronen hingestellt, mit denen auf uns geschossen wurde. Das ist jetzt in Polen. Ah genau, und daneben stand dieser Schlagstock und der Helm, den ich am letzten Tag aufgesetzt bekam. Davor hatte ich keinen. Erst, als ich unter den Schüssen des Berkuts stand. Dieses Kunstobjekt mit verbrauchten Gilsen, einem Schlagstock und einem Helm - das war also mein Statement dazu, was auf keinen Fall sein darf: Patronen, die statt der Farben auf der Pallete stehen, aus denen auf uns geschossen wurde. Das war das einzige, was ich dem Maidan gewidmet habe. Ich habe darüber keine Bilder gemalt und habe es auch nicht vor. Ich habe gezeigt, dass ich dort war und auch weiterhin bereit bin, für die Unverletztlichkeit der Ukraine zu kämpfen, aber malen werde ich umso mehr positive und lebensfrohe Bilder malen. Der Maidan hat mich stark stimuliert. Und ich werde Positive schreiben.

 

M: Wir gehen durch Kiev und sammeln die ganze Zeit blaue und gelbe Farben [zeigt auf das Bild hinter ihm].

B: Aaaah, das ist absolut zufällig [guckt auf das Bild hinter ihm]. Ist auch im Katalog von 2001/2002. Ist ein Zufall. Aber siehst du, ich habe selbst nicht dran gedacht, dass es für euch interessant sein könnte.

 

 

april 2017, kyiv, boris´ atelier

[in the second interview we were showing boris five parts of the interview we did in april 2015. we chose these parts after our interest and guesses to find something special there.]

B: [in Ukrainian] My name is Boris Yeghiazaryan. I am a Ukrainian artist of Armenian origin. I wanted to say these words in Ukrainian language. I think it is very pleasing me and my friends in Ukraine and in Armenia that I started speaking Ukrainian.
[Russian] Boris Yeghiazaryan. Ukrainian artist, it`s an honour. Armenian, my roots are in Armenia. The inspiration is still coming from my Armenian village. I am glad that I am in Ukraine and that I can do my art here, so that I make my country and Ukraine proud.

 

interview excerpt 1:
"I am an artist. Since a year I am not painting pictures.
Maidan has finished, but I still can`t paint because the war is not over yet. That`s why I want that we could create life, arts, that we could live like the whole civilized world, nicely and protected. I wish the victory of Ukrainian virtues, which will happen when Ukraine becomes a European government. It should be a good example for Russian civilization that one can live with treasures of a civilized world, a Christian world and not pseudo-christian or pseude-democratic world. I think, they also wait for the victory of Ukraine since it will be a win of life. Like this...every day we fight, everybody with his or her own action and word. Whole Ukraine is helping at the front. Us artists, we sell pictures to help refugees and injured. The whole day Ukraine is fighting to save lives. We will continue doing it."

B: It was very interesting to hear myself back then. What can I say now? Unfortunatelly, the war is continuing. It becomes more tricky and ugly. People are dying every day. Two years ago, when we met and talked - during that time thousands of people died again. Every day people die, refugees and injured. One thing has changed. Back then I could not work. I said that I could not work as long as the war goes on. But I started working. I started to work actively. We all understood that besides this cruel and very tricky war, life needs to get established and empowered. Every person needs to do his/her work in the name of life.
In that conversation I heard myself talking about Russians. For them it would be convenient and right if this war stopped and Ukraine became a European country. Unfortunately, most Russians, because of televisional zombie-like isolation, don`t see it. They need an enemy image. They projected the enemy image on their very close neighbour - I am afraid now to say fraternal folks. We don`t say it in Ukraine anymore. Unlikely, there is no space left anymore for brotherhood. Still, we continue thinking today... if Ukraine makes a fast step towards Europe, first successes like reconstruction and the shape of a real democratic society will be notable. When in all areas of life we note successes, then it will be clear, that the right way for Ukraine is not towars Asia, Euroasia, Russia, but towards Europe. Russia`s leader Putin is very afraid of it. He is very afraid that it will become very clear that THIS way is obviously the right one in life. That is why the war is still continuing. Because Moscovian 5-floors scrapper is afraid of Ukrainian successes. Now, I would say, a lot of questions are arising. Three years after Maidan have passed. Are there successes? Of course there are. Of course. Ukraine got a no-visa travel allowance to Europe. It is right, it is very good. But let`s say it is rather a European success than Ukrainian, eventhough Ukrainians did a lot for it. But there are also successes in reforms. It is very cool in Ukraine now to criticize, that there are no reforms. They are pseudo-reforms, they are not right etc. Self-criticism is one of Ukrainian values. In Ukraine, the criticism of reforms is existing. But it doesn`t mean that there are no reforms. There are reforms and they happen confidently, with success. We know, for example, that one of the most important reforms in Poland was decentralization, but it happened during very many years. Experts say now, that through a short period of time there are big successes of decentralization in Ukraine. It is serious.
As an artist, I can speak about the culture. I recently gave an interview in the city of Dnipro. I had an exhibition. Cultural decentralization is overtaking economical and other decentralizations, I said. Kyiv`s artists count it as prestigious now to go with their exhibitions to regional and provincial centers. Because there is very lively interest on contemporary arts. Its own cultural spheres start to develop there now. People are doing it themselves. It is an initiative. Every region of Ukraine which is colourful and diverse, starts do produce great works of contemporary arts based on its own ethno-cultural traditions. It is an interesting process which is happening in Ukraine. I look on this with optimism. In reality, there is not enough money in Ukraine, I would say as an artist. If we had good investments, Ukraine would develop very well. Why aren`t there good investments? Again it is Russia which is doing this ongoing war - a war which is fade, but mortal. It makes Ukraine to a country with a war where investors are afraid to go. The word stays behind the civilized world. There, a lot is needed from Ukraine. The standards are high. But if the civilized European world would be more brave and bring serious programs, this war would finish sooner. Despite this hybrid war, Ukraine can develop strongly. Ukraine is smart, so that despite a war, it makes progresses. But I repeat: if WE are criticizing, it is one thing. But we should not be unfair to ourselves and think that there are no progresses. There are progresses which are slow, but serious, I would say.


 

interview excerpt 2:

"I live in Kyiv since many many years. I always speak Russian. If I have got a problem, then it might be that I still don`t speak Ukrainian. If in Ukraine, there is a problem with languages, then it is the difficult development of Ukrainian language. The whole Ukraine speaks in Russian. Not even half of Ukrainians speaks Ukrainian. The problem was not about the Russian language. It was about the Ukrainian language. For any reason Putin started shouting that “we need to protect the Russian speaking people.” This problem doesn`t exist at all."

B: I answered this question already that I started speaking Ukrainian and it is pleasing me. I support the oppinion that Ukrainian as official language was repressed and it should be cultivated. I always said that Ukraine is a very tolerant society towards folks, traditions, cultures. It is a big pride of the folks and the government of the country. They are very tolerant towards each other. If we are not doing political speculations about the language, there is the fact that it is the official language. People of the country have the right to speak it. It didn´t and doesn´t exist that someone reproached me about speaking Russian. There are painful cries of e.g. Ukrainian nationalists - yes they do exist - about why you come to Ukraine being against Ukrainian language. I am not solidary with them. Do you understand? My grandma said: “As many languages you know, as many personalities you are.” It is a well known wisdom. Why shouldn`t you know this wonderful language while living in this country? It is rather the contrary. If there are some reproaches, then towards the government which does not create such conditions where Ukrainian language can develop better. Every foreigner should find places where he or she can learn Ukrainian quickly and with good quality. THIS is the problem. But to say, the problem are the Russian speaking people and their repression? No. It is one of the false lies of this Eastern neighbor. Do you understand? So it is. Everything will be fine in Ukraine. People will speak many tongues, in Russian, in its own Ukrainian. Ukrainian youth does speak English very well, also French and Spanish... They are learning languages which is a sign that they are opening up towards Europe
and that Europe is opening up towards Ukraine. By the way, people speak Russian better here than many Russian TV moderators. I am for evolution of Ukrainian language. It was restrained for 300 years under the Russian [.?..]. But the tongue is incredibly musical. By the way, it is an honor to tell a story. My descriptions were so far translated into Armenian and into Russian. Recently, they were translated to Ukrainian which sounds very nice. This is my position. I very much like this language. If you can blame somebody, then only me who does not completely master Ukrainian.
[in Ukrainian] I say like this: Sorry, I do not speak Ukrainian on TV just because I don`t master this language this well to express subtle things. But I try to learn this language because it is very beautiful. Well, like this.

interview excerpt 3:

"Ukrainian government is being criticized all the time.
Ukrainian government is doing the maximum. The army is doing the maximum. But Ukraine does not have this power which Russia has. Russia sent its whole power on the territory of Ukraine. Big numbers of prepared murderers was sent here. They are fighting with Ukraine. How do I see it? Ukraine will stand for its own. Here, we have Georgians, Jews, Russians who stand for Ukraine. This is our country. It is our state."

B: Two years have passed. I only can repeat what I said. Yes. This country continues to fight and to keep its borders, its right for being a state in a civilized world.
This time showed that YES, Ukraine is exhausted. The strength was used a lot. But in these years, it is not Ukraine which is on the loser side. The loser is Russian diplomacy, Russian politics. In this time it managed to involve in another war. By the way, in this time, Russia managed to make a war in my home land. There was an Armenian-Azeri war. It is a horrible thing. But it seems that during the last five years, Russia supported Azerbaijan with heavy and newest weapons for five billion dollars and initiated a war. This country and Putin`s leadership, start wars anywhere to participate and to influence. Monster leader - monster leadership.
I come back: there is an exit how to induct Russian guidance - through sanctions, or through international policy. It is a pity that Russian folks suffer from it. But Russian society needs to understand that they should not be completely free of will. What the ruling party says, they are doing. They completely stayed in the Soviet Union, unfortunately. Even worth, the Soviet time was a descendent movement. Very many people searched for virtues. In Soviet time, people listened to radio "Freedom" or "Voice of America". Now, it doesn`t exist there anymore. They don`t hear the truth of the world.
Meanwhile Ukraine appears to be the border line between the civilized world
and this dangerous world which is called Russian world. An aggressive world. There is a front line of ideas, spiritual, ideological and of the real and concrete front of war. Because, obviously, Ukrainians say, here, on the territory of Ukraine, the European values are being protected. Europe understands this, America understands this, the whole civilized world understands this. But active measures were not found yet to push back this country. Russia is capable of a big war. But it is not that strong, as they say. Peaceful diplomacy and world intelligence is needed to win. Factually this world intelligence needs to win against this angry feature. When fascism started, there was a similar situation. Hitler, Stalin [..?] but the whole world thought, that somehow it will pass, but heavy fascism started. Now, the whole world thinks that anyhow it will be fine with Russia. But SOMEHOW it won`t be. All the rooted Creml tricks need to vanish. I don`t know how to do this. I am not a diplomat of the world. But I think there is institutional and political memory. There is wisdom of humans which needs to win. Ukraine bears a huge ballast on its shoulders now.
Now, people are less saying it, but back than they said: "Glory to Ukraine - glory to the heroes" who are protecting this country for European values.

 

 

interview excerpt 4:

"I think all the time. I think we don`t have the right to lose this revolution of dignity. What we call dignity of human being. It is a big quality of a human. It is the sense of life. It is not like this quality appeared just on the Maidan. But it was strengthened on the Maidan. This is the sense of life, the human life is much worth. It is so much worth that you can give your life for that. These are not just words. It became reality."

B: It is interesting, when I hear my speech and time has passed, I only can approve what I said back then. Difficult three years after the Maidan prove that we need the realization of being happy. Every day we linger after happiness. If a person is upset, if the person does not have the conscious freedom in the state, at home, freedom of soul, a person can not be happy. But freedom is responsibility as well. Why are people able to give their life for freedom? Because life is worth it. If a person comes to the example of Christianity to give up life for another, it is a higher level of spirituality.
It is when a human over-fought fears. When a human overwent the fear, he or she starts to be able to be happy and free. If you transmit my speech on what is happening in Ukraine, it is like this: There are periods in Ukraine of oppositional or pseudo-oppositional moments. We are afraid that our enemies can make profit of it since we can lose our achievements of the Maidan. We can lose our sovereignty, sovereignty of government and state, so that we can arrive in the bad past. This danger is sometimes existing and we are worrying about it very much. But one thing I want to say all the time - we need to be careful with our state. We need to support our state because if we lose the state and sovereignty of this country, then all achievements like freedom of speech, democracy, will be by zero again. There must be a state with its borders, laws, folks, bases and virtues. There must be a state where virtues will have a price. Why did the Soviet Union disappeared, destroyed itself? Because human life didn`t have a value. Known historian things like Soviet Union won over fascism , ye? But what was the price for it? The human life was nothing worth. Concentration camps also existed in the Soviet Union. So, human life did not have a value. We want here and now to build a country where the highest value is the human life and its virtues. There are a lot of problems. But this is the difference of Ukraine to Russia. One person, its life, its family - this is a big treasure. One person is worth a cosmos. It is like this in the eyes of God, it should count like this in the eyes of the government and in the society. A lot of problems are existing in Ukraine. Very many. With human rights, with human freedom. BUT: there are already many achievements. The most important fact is that Ukraine will never again go back to the Soviet space which is Russia. Soviet space, they build themselves again a post-Soviet Soviet sphere. Ukraine will not go there anymore. For this, the guys are giving up their life. It is not just the territorial borders to be protected. The right to be a human being with dignity and to live in a state where human being is valuable is being protected. There are too many problems to be an ideal state. But there are also many things and virtues that Ukraine could bring to Europe. Very many. It would be another topic. Through cooperation Ukraine will give a lot to Europe, counting factors like humanity, soul, spirit, culture. I think, another few years will pass and Ukraine will establish itself as a European state. The questions is not even, if Ukraine will enter the European Union. Let it be in many years, but main point is that it becomes a democratic European government where the human being is in the center of all.
[...]

 

interview excerpt 5:

"The biggest characteristic of that time which impressed me the most, I understood that Ukraine is not to overwin. If Europe, America, civilized world will support Ukraine, Ukraine will overstand this war and win. Then it will become a nice European government in a short period of time. But if Europe, America, civilized world doesn`t stand behind Ukraine, Ukraine still will win, but with very many victims. Why, I understood on the Maidan."

B: What? I need to talk? You didn`t clap. I talked on this topic already.

interview excerpt 6:

"Essential mentality is European. The pull is towards European qualities. The pull is towards European freedom - personal freedom, freedom of life....Ukrainians protect it very strongly. Ukrainians as European state which wants to enter the EU, bring new values to Europe which evoqued on the Maidan. The time will come when EU will realize it. New culture, new great Ukrainian culture which is being born under fire. But Ukraine really needs strong support since there is a fight for life here."

B: If anything would depend from my worlds, if I was a world authority, I would just repeat the words, adressing countries and states of civilized world. Support Ukraine strongly. Ukraine, winning this war, we don`t meen to reach Moscow and to occupy Crimea since we can`t and we shouldn`t do it, but to win this war means to stop the war. Ukraine should establish its borders, Crimea and Donbass should return to Ukraine. This country should flourish and develop. And it will be. In my previous interview I say, eventhough civilized world doesn`t support, Ukraine still will protect its state and will win, but with very many victims. This country doesn`t step back from its principle of a free state. Unfortunately, because of deceleration and lack of support of Ukraine many people are dying. I would turn towards the world: Help more, support more this country to become a European state. Then it will be a big example for Russia and Euroasian countries. This is the only way of unblooded evolution of this country. Otherwise there will be a lot of troubles from the Eastern neighbour. The only way is to stabilize Ukraine through investments and different help and support - moral, material, and if really necessary, then with weapons since it is also needed. There is no reason to be shy to help Ukraine because Ukraine is not the aggressing country, but it is the country which is protecting its borders, its folks and real people. I wished that the whole world seriously started to support Ukraine. Then the win in Ukraine, the win of moral and principles and values, it would trail behind the winning in many countries and regions of the world where problems of injustice exist. This winning of justice will trail behind a chain of many wins. Those words are not loud, I see it. I live here and I see how much this country needs to get out of this situation. The Europe will be richer and stronger. The whole world will have the fact about intelligence winning over stupidity. I say as an artist. And artists are seeing some things beforehead. I wanted to say something else. I feel now I am an artist again, since when I was talking all the time, I was painting a picture again.

M: During the last two years, what is the biggest thing that has changed in your life?

B: Probably I even more started to value life. We are living through childhood, teenage, youth, and it is as if the sea is going only until your knees. We are living without fearing anything, as if we are immortal. Eventhough there are troubles, but they will go around us somehow. A lot of things we don`t get. When you look ...you may see, that you didn`t give enough love, you didn`t say enough, you did`t do enough. Everything of it is sense of life. Going through the last years I understood that every day is of big value. I wouldn`t say every minute, every second. But the time itself is valuable since it depends on you how it looks around you. You are a human being which is capable of creating an environment where not only you, but other people around you can have a better and interesting life. This is the big joy. In this sense I understood and realized this again. Every morning when the day is starting and life is before you, it is the estonishing time to live, do arts, save lifes, to bring joy in someone`s life. A friend of mine said once: "it is better when life is before you than behind you". It is very wise, by the way today he said. My biggest conclusion: Today is the time to build life. I think, in this sinse, what the whole Ukraine experienced - it is the achievement of Ukraine. We need to do the most necessary for the others. That`s it.